Erntedankfest 2017

Auf dem Weg zur Einheit

Im gegenwärtigen Jahr 2017 gedenken evangelische und katholische Christen gemeinsam des 500. Jahrestages der Reformation, die am 31. Oktober 1517 mit dem Thesenanschlag von Martin Luther ihren Anfang nahm. Darum ist heuer der 31. Oktober sogar ein deutschlandweiter Feiertag. Wenn die Christen beider Konfessionen dieses Gedenken begehen, geschieht dies „nicht in Form einer triumphalistischen Feier, sondern als Bekenntnis unseres gemeinsamen Glaubens an den Dreieinen Gott“ (Papst Franziskus).

Das Reformationsjubiläum ist der äußere Anlass, weshalb wir für den diesjährigen Früchteteppich das vorliegende Motiv gewählt haben. Ihm liegt ein Bild des 2015 verstorbenen Künstlerpfarrers Sieger Köder zugrunde. Unter den geschickten Händen von Frau Birgit Uhl und Herrn Josef Kenzelmann ist dieses ansprechende Früchtebild in mehr als 40-stündiger Arbeit entstanden. Ihnen beiden sind wir für ihr gelungenes Werk von Herzen dankbar.

Mittelpunkt unseres Bildes ist der weiße Leibrock Jesu, von dem es im Johannes-Evangelium heißt, dass er „von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht war“ (19,23b). Dieses Untergewand Jesu „aus einem Stück“ galt schon in der Alten Kirche als Sinnbild der unteilbaren Einheit der Kirche.

Um den Leibrock Jesu sehen wir Repräsentanten der drei Hauptrichtungen der christlichen Kirche versammelt: Links im Vordergrund ein Pope der orthodoxen Kirche in gold-glänzendem Ornat. Er erinnert uns an die erste große Kirchenspaltung im Jahr 1054 und lenkt zugleich unseren Blick nach Osten. Auf derselben Seite neben ihm (in den Umrissen leicht zu erkennen) der Reformator Martin Luther in seinem schwarzen Talar.

Und beiden gegenüber (auf der rechten Bildseite) ist Papst Franziskus dargestellt, der

sich bei seiner Wahl am 13. März 2013 bewusst als „Bischof von Rom“ vorgestellt hat.

Alle drei fassen in gemeinsamer Verehrung ein Stück, „ihr“ Stück des Gewandes Jesu,

was heißen könnte: „ihren“ Anteil an seinem Erbe.

Durch das starre Festhalten an dem einen „Heiligen Rock“ sind offenbar Risse in Gestalt eines aus dem Lot geratenen Kreuzes entstanden. Könnte dies uns nicht an die jahrhundertelange Zeit erinnern, in der es unter den christlichen Konfessionen keine Verständigung gab, sondern jede Seite oft rechthaberisch an nur ihrem eigenen Teil festgehalten hat? So kam es, dass vor allem das Verhältnis zwischen evangelischen und römisch-katholischen Christen von tiefgreifenden Vorbehalten und zäh sitzenden Ressentiments bestimmt war.

Es war Papst Johannes XXIII. (1959-63), der bereits vor mehr als fünfzig Jahren hervorhob: „Das, was uns verbindet, ist größer als das, was uns trennt“. Positive Signale gingen auch vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) aus, die den ökumenischen Dialog entscheidend vorangebracht und beschleunigt haben. Seither haben sich die christlichen Kirchen in geduldigem Austausch aufeinander zubewegt.

„Möge nun dieses Reformationsgedenken uns alle ermutigen, mit Gottes Hilfe und mit der Unterstützung durch seinen Geist weitere Schritte zur Einheit zu vollziehen und uns nicht einfach auf das zu beschränken, was wir bereits erreicht haben“

(Papst Franziskus).

 

Bleiben wir also weiterhin auf dem Weg zueinander und nehmen wir gerade in unserer Zeit, in der der christliche Glaube längst nicht mehr selbstverständlich ist, den Grundauftrag unserer Kirchen glaubwürdig und kraftvoll wahr, der da lautet: Jesus Christus gemeinsam bekennen.

                                                                                Pfarrer Robert Härtel, Kißlegg