Auf ein Wort - Impulse für Leben und Glauben

Fasten als Sinnesänderung

In den Wochen der Fastenzeit werde ich immer wieder gefragt: Fastest du? Auf was verzichtest du? Irgendwie scheint die Fastenzeit als eine Zeit des Verzichts und der Askese in der Wahrnehmung vieler Menschen verankert zu sein. Und tatsächlich höre und lese ich von kirchlichen Vertretern immer wieder, auf was der Mensch in der Fastenzeit doch alles verzichten soll. Oftmals handelt es sich um Nahrungsmittel. Bei Jesus finde ich keine Verzichtsanordnungen, lese aber in Mk 1, 15: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Kehrt um – im griechischen Text steht da: metanoeite. Metanoeo (1. Person Singular Präsens) heißt „ich ändere meinen Sinn“. In diese Richtung ist Umkehr zu verstehen. Umkehr hat also etwas mit überdenken zu tun, etwas aus anderer Perspektive anzuschauen, einen anderen, neuen Blick auf Menschen, Situationen und Sachverhalte zu wagen. Wenn daraus Konsequenzen folgen, dann ist das wirklich Umkehr. Fastenzeit als eine solche Umkehrzeit verstanden, als eine Zeit, in der ich meinen Sinn und mein Denken ändern kann, steht für mich nicht unter den Vorzeichen des Verzichts, vielmehr geht es doch darum, den eigenen Lebensstil neu zu bedenken, die Beziehungen, in denen ich stehe, neu zu pflegen, den Umgang mit Arbeit und Freizeit lebensfreundlicher zu gestalten, das eigene Selbst aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Dann kann Fastenzeit zu einer Lebenszeit werden, die nicht vom Verzicht geprägt ist, sondern von der Fülle des Lebens.

Ansgar Krimmer

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